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© Antje Dorn / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 [all rights reserved]
Installationsansicht der Serie / Installation view of the series "Passage" (detail), frieze of 32 paintings, each 60x50 cm, oil on canvas,
Galerie m Bochum, 2017
antje dorn - bauten - galerie m bochum
Antje Dorn

Passage

Galerie m Bochum
7. September – 22. Dezember 2017

Die Galerie m Bochum zeigt mit der Ausstellung „Passage“ die neue Malereiserie
der in Berlin lebenden Künstlerin Antje Dorn (*1964 Aachen). Die 45 Ölgemälde
unterschiedlichen Formats entstanden zwischen 2015 und 2017 und thematisieren
den gehenden Menschen, so wie man ihm in der Stadt täglich begegnet.

Mit der Serie „Passage“ widmet sich Antje Dorn der wohl selbstverständlichsten
Bewegungsart des Menschen. Paradoxerweise bleibt der Charakter der Gemälde,
mit den festen, konzentrierten Pinselstrichen und den abgegrenzten und sorgfältig
komponierten einfarbigen Flächen, dennoch ruhig und statisch. Die Bilder zeichnen
sich durch Dorns spezifische Formensprache aus, mit der sie ihre Figuren vereinfacht,
mit wesentlichen Attributen versieht und gleichzeitig typisierend darstellt.

Ein Fries aus 32 kleinformatigen Bildern zeigt jeweils ein bis zwei voranschreitende
Personen im Profil. Die Gesichter sind nur leicht angedeutet ohne individuelle Züge.
Der zweigeteilte Hintergrund schafft mit der Andeutung eines Untergrundes einen
minimalen Raumeindruck und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gehenden, die sich
in Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Körperbau und -haltung unterscheiden. Die Kleidung
sowie die gewählten Accessoires lassen auf einen städtischen Kontext schließen und
definieren verschiedene Typen. Gerade diesen Details wohnt eine Zeichenfunktion
inne. Aus wenigen Hinweisen entwickeln sich Assoziationen rund um das Wesen und
die Umstände der dargestellten Fußgänger.
Immer wieder findet sich der für Antje Dorn so typische humorvolle Umgang mit dem
Sujet, wenn etwa eine elegant gekleidete Frau mit zwei großen Schraubenschlüsseln
unterwegs ist und damit thematisch an die Zeichnungsserie „Motorgirls“ erinnert.

Weitere, zum Teil großformatige Werke der Serie, auf denen die Schreitenden vor
einem monochromen Bildgrund zu schweben scheinen, weisen einen freieren
kompositorischen Aufbau auf. Dorn nutzt hier ihre Gestaltungsmittel spielerischer und
schafft mit der Wahl von Größe und Platzierung der einzelnen Figuren Räumlichkeit
oder neue Gewichtungen. Durch den Verzicht auf eine konsequente perspektivische
Darstellung wirken die Bilder manchmal wie collagiert, insbesondere durch das
wie zufällig wirkende Nebeneinander der Passanten. Hier wird die Anonymität der
Großstadt spürbar.

Die Protagonisten telefonieren, blicken oder tippen während des Gehens auf ihr
Smartphone, andere tragen Sportbekleidung oder halten Einkaufstaschen. Das
zielgerichtete, auf sich selbst konzentrierte Verhalten offenbart Eigenheiten, die sich bei
vielen Zeitgenossen und möglicherweise auch bei uns wiederfinden. Die „Passage“-
Bilder sensibilisieren uns, einmal mehr mit einer für Antje Dorn typischen Leichtigkeit,
für Alltagsphänomene in der uns umgebenden Gesellschaft und Welt.english version


english version

Galerie m Bochum is showing the new painting series by the Berlin-based artist Antje Dorn
(b. 1964, Aachen) in the exhibition “Passage.” Executed between 2015 and 2017,
the 45 oilpaintings in varying formats all depict people walking, just as they can be seen
doing daily in cities everywhere.

Antje Dorn has devoted her series “Passage” to the most matter-of-fact way in which
people move from one place to another. Paradoxically, however, the character of
the paintings with their firm, concentrated brushstrokes and carefully demarcated
and composed monochromatic surfaces remains calm and static.
The images display Dorn’s signature formal language, consisting of simplified figures
furnished with individual attributes and yet rendered as prototypes.

Arranged into a frieze, 32 small pictures each show one or two individuals in profile as they
stride along. Faces are depicted summarily, without individual traits. Dorn has divided the
backgrounds of the pictures into two parts to imply a horizon line and thus a minimal
impression of space, while focusing all attention on the walkers, who differ in age, gender,
skin color, body type, and posture. The clothing and the selected accessories indicate an
urban context and define the different types. And it is in these details that the renderings
are most finely drawn. From these scant clues, we are able to develop associations about
the nature and circumstances of the pedestrians we see here.
In many cases, we can enjoy Antje Dorn’s typical humorous treatment of her subjects, for
example when an elegantly dressed woman promenades with two large wrenches in tow,
summoning memories of Dorn’s drawing series “Motorgirls.”

Installationsansicht der Serie / Installation view of the series "Passage", Fries aus 32 Bildern, Öl auf Leinwand, je 60x50 cm,
Galerie m Bochum, 2017
antje dorn - bauten - ausstellungsfoto - galerie m bochum
Installationsansicht der Serie / Installation view of the series "Passage" (paintings from l. to r.: No.10, 11, 1, 2, 6, 4, 5, 45, oil on canvas, 2015-2017),
Galerie m Bochum, 2017
antje dorn - bauten - galerie m bochum
Installationsansicht der Serie / Installation view of the series "Passage" (paintings from l. to r.: No.44, 10, 11, 1, 2, oil on canvas, 2015/2016),
Galerie m Bochum, 2017
ausstellunsphoto dorn / perrodin galerie m bochum
No. 44 aus der Serie "Passage", 220x180 cm, Öl auf Leinwand, 2016
Ausstellungsphotos: Antje Dorn