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© antje dorn 1994/1995 [all rights reserved]

>Cookie Park - Die Welt in Stücken<
Ein Nachschlagewerk.
432 Seiten, Hardcover, Fadenheftung,
Luxusausgabe: 10 num. & sign. Exx.,1995.
(vergriffen)
Paperback siehe Books

Buchvorstellung "Cookie Park".
Galerie Barbara Wien, Berlin 1995.
Cookie Park enthält hunderte von Zeichnungen.
Ein Antilexikon, eine Lesemaschine,
ohne Seitenzahlen, ohne Register.
Doppelseite aus Cookie Park
Michael Glasmeier

Bildervokabular

Bilderwelten, die etwas erzählen, sind mein Metier.
Weniger also Bilderwelten, die mir eine Theorie nahe bringen wollen.
Das kommt nicht nur daher, weil es im Moment mehr Theorien als gute Erzählungen zu geben
scheint, sondern weil ich der guten alten Meinung bin, das Komplexität eher zum
subjektiven Anspruch der Erzählung passt, als zum objektiven der Theorie, dass also
Bilder die gleiche Kraft besitzen wie die oft überschätzte Sprache.
Mit Wonne blättere ich also in einem gelben Wälzer mit dem Titel
„Cookie Park. Die Welt in Stücken. Ein Nachschlagewerk“, das die junge Berliner Künstlerin
Antje Dorn verfasst hat. Es ist eine Enzyklopädie aus schwarzweissen Tuschezeichnungen ohne
Worte und doch eine wahre Lesemaschine. Die Welt der visuellen Kürzel und Zeichen wird von
Antje Dorn gebündelt, neu sortiert und interpretiert.
Alles findet sich in diesem Buch: Häuser, Menschen, Bäume, Kleider, Radios, Duschen,
Satzzeichen. Und alles findet sich so oft darin, als ob das einmalige Zeichen nicht ausreichend
wäre, als ob die Reduktion die Wiederholung verlangt, so wie die Sprache aus
unendlichen Repetitionen besteht. Gleichzeitig verschieben sich die Zeichen ständig,
sind unterwegs, wandern herum, wechseln ihre Partner. So schimmert in dem Buch der Geist
des Enzyklopädisten Diderot, und mit Verwunderung stellen wir fest, wie bewegend und anders
die einfachen Dinge sein können, beginnt man mit ihnen zu lesen;
Denn das wahre Bilderbuch ist ein Lesebuch und umgekehrt. Übrigens ist ein Mitverleger
dieses Werkes die Edgeware Press, London, und dahinter verbirgt sich der hiermit wieder tätige,
unermüdliche Hansjörg Mayer.

(in: Zitty, September 1996, Berlin)

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